KANADAROADTRIPS9

Mit Jeep und Dachzelt durch den Yukon – ein Roadtrip in Kanada.

Roadtrip Yukon, Kanada. Wenn man seine ersten Schritte auf kanadischem Boden macht, dann hat man den Eindruck, dass das hier das Land der langen Bärte, großen Autos, rotkarierten Karohemden und der einsamen Wildnis ist. Natürlich ist das ein bisschen viel Klischee für die ersten paar Zeilen, denn Kanada ist zwar genau das, aber eigentlich noch so vieles mehr. Offensichtliches, manchmal aber auch hinter dichtem Grün verstecktes. Es steht für Bären und Elche, für Legenden und Geschichten, für unendliche Weiten und für Roadtrips, die anderswo auf der Welt ihresgleichen suchen. Und glaubt mir, da spreche ich aus Erfahrung.

Vor allem diese menschenleere Weite hat es mir während meines Roadtrips durch den Yukon angetan. Um ein Gefühl dafür zu vermitteln, was ich damit meine, lasst mich kurz mit ein paar Zahlen jonglieren: In Deutschland kommen fast 83 Millionen Menschen auf 357.000 km². Im Yukon sind es ganze 38.000 Menschen auf über 482.000 km², einer Fläche von Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen! Ein Paradies für jeden Outdoormenschen, Roadtripliebhaber, Camper und … für mich.

Die meisten der knapp ein Dutzend Highways gibt es erst seit ein paar Jahrzehnten. Rechts und Links von dichten Wäldern gesäumt, führen sie bis zum Horizont und vielleicht auch noch ein bisschen darüber hinaus. Wahlweise mit Asphalt oder groben Schotter unter den großen Rädern, spürt man hier eine Freiheit, die einem mit jedem neuen Kilometer ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubert – perfekt geeignet für eine Tour in einem tiefschwarzen Jeep mit Dachzelt und allem Pipapo.


INHALTSVERZEICHNIS

  1. 3000 Kilometer
  2. Whitehorse
  3. Klondike Highway
  4. Silver Trail
  5. Tombstone Territorial Park
  6. Dempster Highway
  7. Dawson City
  8. Top of the World Highway
  9. Kluane Nationalpark
  10. Haines Highway
  11. Haines und Skagway
  12. Playlist

3000 Kilometer durch den Yukon und Teile Alaskas.

Ich hatte absolut nicht erwartet, dass mich diese Gegend so sehr verzaubern wird. Gefallen ja, aber dass ich nach über einem Monat nur widerwillig und mit feuchten Augen den Flieger gen Heimat besteigen würde, das wäre mir vor der Reise nicht in den Sinn gekommen. Der Yukon, dessen Slogan „Larger Than Life“ die Sache auf den Punkt bringt, hat alles, was ich in Deutschland manchmal so sehr vermisse. Hier ist die Natur übermächtig und zeigt dem Menschen seine Grenzen auf – nicht andersrum.

Jeep Wrangler vor Lagerfeuer am Tatchun Lake Campground

Um also möglichst viel von der Gegend zu sehen und um die Draußenzeit auf 24 Stunden am Tag an sieben Tagen die Woche auszudehnen, nehme man: Einen Jeep Wrangler, unter dessen Motorhaube sechs Zylinder, knapp 200PS und 3.6 Liter Hubraum mit Nachdruck schnurren. Außerdem noch ein Dachzelt, das sich nach ein paar geübten Handgriffen innerhalb von Minuten aufklappen lässt. Einen Kocher hier, ein bisschen Geschirr da und, ganz wichtig, eine Axt für die vielen obligatorischen Lagerfeuer. Und et voilà – schon hat man die Zutaten für einen perfekten Roadtrip im Yukon zusammen.

⇒ Hinweis: Im Zuge einer Kooperation habe ich den Jeep von Overland Yukon etwas günstiger bekommen. Meine Meinung bleibt davon aber wie immer unbeeinflusst.

 

Roadtrip Yukon: Whitehorse.

Die einzigen Ampeln in ganz Yukon, irgendetwas zwischen 15 und 18 an der Zahl, gibt es in Whitehorse. Das sollte genügen, um die Bedeutung der Stadt im hohen Norden Kanadas zu erklären. Mit ca. 28.000 Einwohnern ist es die offizielle Hauptstadt, hier gibt es alles fast schon im Überfluss, was man während der Fahrt durch die restlichen hunderttausenden Quadratkilometer manchmal vergeblich sucht. Kreuzungen, frisches Brot, leckeren Kaffee, gutes Essen, Kultur, Sehenswürdigkeiten … die Liste lässt sich noch um einige Schlagwörter erweitern.

Eine mittelgroße Stadt, irgendwie vergleichbar mit Städten gleicher Größenordnung hier bei uns, trotzdem aber grundverschieden. Whitehorse ist das Tor zum Yukon, Start- und Endpunkt so mancher Abenteuer in der kanadischen Wildnis. Egal ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Kanu oder dem Auto. Den Namen hat die Stadt von einigen Stromschnellen bekommen, die wie die Mähne eines galoppierenden weißen Pferdes aussahen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts ein Damm gebaut und die Stromschnellen überflutet wurden.

alte Huette am MacBride MuseumMiles Canyon Nahe WhitehorseBruecke am Miles Canyon bei Whitehorse

Zu sehen gibt es hier einiges, für jede Neigung und Vorliebe. Zwischen den Häuserzeilen verstecken sich noch so manche Relikte früherer Tage. Im MacBride Museum of Yukon History erfährt man viel über die Geschichte. Das Yukon Beringia Interpretive Centre steht für die Erforschung der Beringia Region zwischen Ostsibirien und dem Yukon. Im Yukon Wildlife Preserve kann man einheimische Tiere hautnah beobachten und sich anschließend in den Takhini Hot Springs aufwärmen.

Wer lieber das Draußen vor dem Drinnen bevorzugt, der stattet dem Miles Canyon einen Besuch ab, lässt sich im Visitor Centre ein paar Wanderempfehlungen geben oder geht am Fish Lake angeln.

Fish Lake nahe WhitehorseOverland Yukon im Indian Summer

⇒ Meine Empfehlung: Die leckersten Fish & Chips gibt es im Klondike Rib & Salmon, Frühstück genießt ihr am besten in der Alpine Bakery, Kaffee trinkt ihr im Baked Café und zum Stöbern nach schöner örtlicher Reiselektüre lädt Mac’s Fireweed Books ein.

⇒ Für Camper: Duschmöglichkeiten für ein paar Dollar gibt es im Airport Chalet, im Canada Games Centre oder am Robert Service Campground (Infos bekommt ihr im Visitor Centre). Der Wolf Creek Campground befindet sich nur ein paar Kilometer außerhalb der Stadt und ist meine persönliche Übernachtungsempfehlung.

⇒ Für Abenteurer: Der Yukon Quest ist ein Langstrecken-Schlittenhunderennen, das jedes Jahr im Februar auf ca. 1600 km zwischen Fairbanks (Alaska) und Whitehorse verläuft. Der Yukon River Questwiederum ist das längste Kanu- und Kajakrennen der Welt und führt Ende Juni / Anfang Juli von Whitehorse nach Dawson City.

 

Roadtrip Yukon: Klondike Highway.

Alleine der Name verrät schon den Ursprung des Highways. Von Skagway (Alaska) nach Dawson City verläuft er parallel zu der Route, die die Goldsucher im Klondike-Goldrausch benutzt haben. Damals also mit vielen Strapazen und Entbehrungen verbunden, kann man heute die vorbeiziehende Landschaft gemütlich aus dem Wageninneren beobachten.

Unterteilt in Nord und Süd, mit Whitehorse als Trennung, gehört sie vielleicht nicht unbedingt zu den spektakulärsten Straßen, die der Yukon zu bieten hat. Aber sie ist und bleibt ein Must-Drive.

 

South Klondike Highway.

Kurz nach Skagway schiebt sich der Klondike Highway auf den White Pass hinauf. Ein bisschen erinnerte mich die Aussicht an Patagonien oder Norwegen, bevor sich dann oben angekommen Alpenflair einmischte. Warum also hier nicht kurz das Auto stehen lassen und ein paar Kilometer zu Fuß die Aussicht genießen? Der International Falls Hike wäre dafür meine Empfehlung des Tages. Bevor mich der Yukon wieder mit seinem einprägsamen Slogan willkommen hieß, folgten noch knapp 60km durch British Columbia, vorbei an Seen in tiefstem Blau auf grauem Fels. In Carcross wartete mit der Carcross Desertdie kleinste Wüste der Welt auf mich, am Emerald Lake intensives Grün und zurück in Whitehorse Sonnenschein und schönstes Herbstwetter.

Bennett Lake am Klondike HighwayCarcross Desert

 

North Klondike Highway.

Der Wildnis entgegen. Richtung Norden werden die Orte weniger, die Tankstellen auch, das Land dafür umso weiter. Zwischendurch kreuzt der Yukon, schlängelt sich an der Straße entlang, bevor er sich wieder verabschiedet und mich sehnsüchtig zurückließ. Am Lake Laberge sinnierte ich über die vergangene Woche, während der es mit einem Kanu von Whitehorse nach Carmacks ging. An den Five Finger Rapids malte ich mir aus, wie es wohl wäre, dort auch mal entlang zu paddeln. In Steward Crossing bog ich rechts auf den Silver Trail ab, ebenso weiter nördlich auf den Dempster Highway. Bis ich schlussendlich in Dawson City landete und mich ein Flair von Wild Wild West verzückte.

Lake Laberge am Klondike HighwayFive Finger Rapids im Yukon

⇒ Tipp: Campgrounds am Klondike Highway (wie auch im restlichen Yukon) findet ihr am besten via WikiCamps Canada.

 

Roadtrip Yukon: Silver Trail.

Abstecher müssen sein. Daher wird es mir niemals in den Sinn kommen, mich während eines Roadtrips auf eine fest geplante Route festnageln zu lassen. Ich würde das vielleicht nicht unbedingt als Spontanität bezeichnen, eher als absolute Planlosigkeit. Und eine dieser Planlosigkeiten war der Silver Trail, der anfangs noch befestigt, bald aber als Gravel Road vom Klondike Highway bis nach Keno City führt.

Die Wolken hingen tief, der Regen kam und ging im Minutentakt. In Keno City, deren Name mehr vermuten lässt, als das Städtchen wirklich ist, wohnen gerade mal knapp zwei Dutzend Menschen. Gesehen habe ich davon niemanden. Stattdessen formte ich auf dem Gipfel vom Keno Hill den ersten Schneeball der Saison und der Jeep bekam den Schlammlook verpasst, der seinem Namen gerecht wurde.

Schild mit Richtungsangaben auf dem Keno HillAussicht auf dem Weg zum Keno HillSilver Trail im Yukon

Im Nachhinein betrachtet habe ich dem Abstecher nicht die Aufmerksamkeit gewidmet, die der Silver Trail verdient hätte. Bei meinem nächsten Besuch möchte ich im Five Mile Lake baden, Elche in den Devil’s Elbow Wetlands beobachten, auf dem Keno Hill wandern, mit Einheimischen in Keno City ins Gespräch kommen und mit ihnen über die Abgeschiedenheit des kleinen Ortes philosophieren.

 

Roadtrip Yukon: Tombstone Territorial Park.

Oder auch: Der Indian Summer in seiner vollen Pracht! Diese Farben, diese besondere Atmosphäre, die klare Luft … all das machte meine Zeit im Tombstone Territorial Park zu etwas einzigartigem. Egal, in welche Richtung ich blickte, es war ein kompletter Rausch der Sinne – und das vollkommen nüchtern.

Knapp 70km nördlich des Einstiegs auf den Dempster Highway beginnt der Park, der mich nicht nur einmal hat sprachlos werden lassen. Nicht, dass ich sonst zu den redseligen Menschen gehöre, aber diesmal waren sogar meine Gedanken ganz still und leise. Bei solch einem Anblick kann man sich sowieso nur flüsternd unterhalten, möchte man die Magie, die die Berge und die Natur ausstrahlen, nicht unterbrechen.

Person mit Aussicht auf Tombstone Territorial ParkTombstone Territorial ParkFarbenpracht im Tombstone Territorial Park

Am besten erlebt man die Natur hier zu Fuß. Auf kurzen und langen Wanderwegen, oder auch gerne mal querfeldein (ohne dabei die Flora und Fauna zu stören). Denn dann ist man mit dem Rot und Gelb auf Augenhöhe und kann nicht nur schauen, sondern auch mal fühlen.

Blick auf den Grizzly Lake im Tombstone Territorial ParkAussicht im Tombstone Territorial Park

⇒ Der Tombstone Territorial Park im Herbst – ein Rausch der Farben. Ein ausführlicher Artikel mit noch mehr Bild und Text.

 

Roadtrip Yukon: Dempster Highway.

Wenn ich mich für eine Lieblingsstraße im Yukon entscheiden müsste, dann bräuchte ich nicht lange zu überlegen. Der Dempster Highway hat alles, was ich für einen gelungenen Roadtrip brauche. Wunderschöne Natur rechts und links der Fahrbahn; Schotter unter den Reifen; einen Horizont, der mich immer weiter fahren lässt und eine Geschichte, aus der (meine) Träume gemacht sind.

Knapp 500km verläuft der Highway durch den Yukon, weitere 270km bis nach Inuvik in den Northwest Territories. Und seit Ende 2017 gibt es sogar eine ganzjährige, fast 200km lange Verlängerung bis nach Tuktoyaktuk am arktischen Ozean, die vorher nur im Winter als Ice Road befahrbar war. Große Teile des Highways folgen dabei einem alten Hundeschlittenweg des namensgebenden Korporals Dempster aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Roadtrip Yukon Jeep auf Dempster HighwayFahrt auf dem Dempster HighwayRoadtrip Yukon auf dem Dempster Highway

Der Permafrostboden bestimmt hier die Beschaffenheit der Piste, die zwischen 1,20m und 2,40m Dicke misst, durch unendliche Weiten führt und den Polarkreis kreuzt. Gigantisch, atemberaubend und abenteuerlich sind wahrscheinlich die Adjektive, die den Highway am besten beschreiben – wenn man es denn überhaupt in Worte fassen kann. Sind es am Anfang noch die borealen Nadelwälder, die die Aussicht dominieren, folgt bald die Bergwelt des Tombstone Territorial Parks und kurz darauf eine kilometerweite Tundra. Zeit sollte man haben und jede Bodenwelle, jedes Schlagloch und die manchmal durchdrehenden Reifen genießen. Um es mit Margarets Worten zu beschreiben: „That roads are for journeys, ma’am, not destinations.“ (Margaret Landon).

Ich bin nur knapp 200km auf der Schotterpiste gefahren, die restliche Strecke habe ich mir für ein neues Abenteuer aufgehoben. Denn mittlerweile reift da eine Idee in meinem Kopf, die eigentlich zu verrückt und kompliziert ist, um sie in die Tat umzusetzen … to be continued.

Blick vom Dempster Highway in die LandschaftJeep mit Wohnwagen auf Parkplatz im Tombstone NP

⇒ Hinweis: Rechtzeitig tanken, entweder in Dawson City oder direkt an der Kreuzung Klondike Highway / Dempster Highway. Die erste und einzige Tankstelle Richtung Norden kommt erst nach der Hälfte der Strecke in Eagle Plains. 

 

Roadtrip Yukon: Dawson City.

„Der Generator auf der Ladefläche des alten Pickups brummte gleichmäßig vor sich hin, während kleine Beutel mit grauem Staub in den Lauf der Luftdruckkanone gestopft wurden. Die gut zwei Dutzend Menschen in der Nähe, ausgestattet mit diversen Bierbüchsen, prosteten sich gutgelaunt zu, einige davon bereits mit schwerer Zunge. Es folgte ein leiser Knall, eher einer Verpuffung gleich, und Staub und Beutelreste wurden in den Himmel über Dawson City befördert. Erst nach der zweiten Wiederholung dämmerte es mir, dass ich da gerade einer Bestattung beiwohnte und ich bemerkte, dass ich etwas ungünstig in der falschen Windrichtung stand. Ich klopfte also einige staubige Überreste von Bob aus meiner Kleidung und beobachtete von jetzt an das Schauspiel aus sicherer Entfernung.“

Das war er also, mein erster Eindruck von Dawson City. Authentischer und sympathischer hätte er in dem Moment wohl nicht sein können. Die Stadt ist nicht groß, nur ca. 1.800 Menschen wohnen hier. Sie müssen sich aber die, bis auf eine Ausnahme, unbefestigten Straßen im Sommer mit tausenden Touristen teilen. Was den Reiz des Ortes ausmacht, das ist seine Geschichte und die Architektur, die die letzten hundert Jahre überdauert hat, ganz im Zeichen vom wilden Westen, kombiniert mit dem hohen Norden.

Roadtrip Yukon Dawson City EinheimischeAussicht vom Midnight Dome Viewpoint auf DawsonJeep Wrangler in Dawson City

Dawson City liegt direkt am Zufluss vom Klondike River in den Yukon River. Und der Klondike River wiederum ist ein Fluss, der Geschichte schrieb und nicht nur den Ort, sondern den ganzen Yukon prägte. Denn hier wurde 1896 das erste Gold gefunden und der anschließende Klondike-Goldrausch war Grundlage für so manche heroischen Taten, privaten Tragödien und Legenden, die Jahrzehnte überdauerten.

Die Häuserzeilen in der Innenstadt sehen noch immer genau so aus, wie damals, als der Goldrausch seinen kurzen Höhepunkt hatte. Geschmackvoll restauriert oder dem Stil der damaligen Zeit angepasst. Bis auf die Uferstraße sind alle Straßen unbefestigt, Fußgänger müssen bei Regen auf die höhergelegten hölzernen Stege ausweichen. An Angeboten für Besucher mangelt es hier nicht. Wer möchte, der kann sich im Downtown Hotel den berühmten Sourtoe Cocktail schmecken lassen, in der Diamond Tooth Gertie’s Gambling Hall eine der Nightshows besuchen und selbst ein bisschen zocken oder am Claim Nr. 6 am Bonanza Creek nach Gold schürfen. Das Dawson City Music Festival findet jährlich im Juli statt, aber auch sonst gibt es in den Bars Livemusik im Countrystyle.

Cowboy Schild in Dawson City im YukonBlick in die Straßen von Dawson City

⇒ Tipps: Duschmöglichkeiten in Dawson City gibt es für 2$ und 6 Minuten am Dawson City R.V. Park & Campground. Die schönste Aussicht über die Stadt findet ihr auf dem Midnight Dome Viewpoint. Und die Fähre über den Yukon fährt von Mai bis Oktober (dann, wenn der Yukon eisfrei ist) kostenlos zu jeder Uhrzeit, ohne Fahrplan.

 

Roadtrip Yukon: Top of the World Highway.

Man fühlt sich entlang des Top of the World Highways zwar nicht unbedingt wie auf dem Dach der Welt, definitiv aber wie an deren Ende. Auf 127km führt ein Mix aus Asphalt und Schotter durch die Weite des Nordens und gibt Blicke auf manchmal schneebedeckte Gipfel frei.

„Only the road and the dawn, the sun, the wind, and the rain,
And the watch fire under stars, and sleep, and the road again.“ John Masefield

Wenn auch nicht ganz so spektakulär wie der Dempster Highway, habe ich trotzdem jeden Kilometer genossen. Mich faszinieren solche abgelegenen Straßen, auf denen man kaum Menschen begegnet. Straßen, die absolut nicht perfekt sind, die tiefe Löcher und Buckel aufweisen. An denen sich keine Schilder befinden und die nur eine grobe Richtung vorgeben. Tagelang könnte ich auf ihnen unterwegs sein und mich in diversen Träumereien verlieren. Romantisch und gefühlsbetont betrachtet vielleicht vergleichbar mit einer Poesie der Straße.

Top of the World Highway im YukonVW T4 Roadtrip Yukon

Poker Creek – Little Gold Creek Border Crossing ist der nördlichste und höchstgelegenen internationale Grenzübergang in Nordamerika und wahrscheinlich auch der mit der schönsten Aussicht. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen, außer dass die Einreise schnell und unkompliziert funktioniert. Das Visum gibt es hier on arrival für 6 Dollar (Bargeld in US$), auch wenn einem bereits ESTA bewilligt wurde (manchmal streiken die Rechner vor Ort). Hier geht der Top of the World Highway auf der amerikanischen Seite in den Taylor Highway über und verläuft weiter über Chicken bis zum Alaska Highway.

Blick auf den Top of the World HighwayParkplatz mit Autos am Top of the World Highway

⇒ Hinweis: Da der Top of the World Highway nicht geräumt wird, ist er in den Wintermonaten von Ende September bis Mai geschlossen, genauso wie der Grenzübergang von und nach Alaska (geöffnet in den Sommermonaten von 08.00 – 20.00 Uhr). Eine aktuelle Übersicht über die Straßenverhältnisse findet ihr auf der Webseite Yukon 511.

 

Roadtrip Yukon: Kluane Nationalpark.

Ein Nationalpark, der mit Superlativen nicht geizt. Mit dem Mount Logan (5.959m) befindet sich hier der höchste Berg des Landes, es ist der größte Park im Yukon und das Kluane Icefield ist eines der größten zusammenhängende Gletscher-Eisfelder abseits der Polregionen. Und wenn man die Fakten mal beiseite lässt, dann sind es die eigenen Emotionen, die vor Ort überschwänglich zum Ausdruck gebracht werden. Ein breites Grinsen hier, ein „Das ist ja so abgefahren!“ dort und überhaupt bleibt einem bei dem Anblick nichts anderes übrig, als einfach nur dazustehen, zu starren und die makellose Schönheit unserer Erde zu bewundern.

Blick auf die Berge vom Kluane NationalparkBlick auf den Kluane LakeBergkette im Kluane Nationalpark

Eigentlich war es die pure Reizüberflutung in Dauerschleife. Morgens das Leuchten der Herbstfarben, als würden die Bergflanken in Flammen stehen. Mittags das Weiß der schneebedeckten Berge, das während eines Fluges über den Kluane Nationalpark in den Augen blendete. Und Abends das Funkeln des Wassers im Kluane Lake, während Kartoffeln und Baked Beans über’m Lagerfeuer garten. Wenn man eine Liebeserklärung an die Natur schreiben möchte, dann wäre der Kluane Nationalpark sicherlich der Ort, um sich dafür inspirieren zu lassen.

Flug ueber der Kluane NationalparkStrasse entlang des Kluane Nationalparks

⇒ Mehr über den Kluane Nationalpark, einige Wanderungen und den Flug gibt es bald in einem eigenen Artikel.

 

Roadtrip Yukon: Haines Highway.

Immer dann, wenn man nicht viel erwartet, entstehen die schönsten Eindrücke, die spannendsten Gespräche und die interessantesten Begegnungen. In puncto Eindrücke war dabei die Fahrt entlang des Haines Highways von Haines Junction über den Chilkat Pass nach Haines in Alaska die absolute Überraschung. Erwartet hatte ich nette Aussichten, ein paar Berge und vielleicht auch mal einen See. Bekommen habe ich all das und für das viel mehr lasse ich kurz die Fotos sprechen …

Dezadeash Lake im YukonAussicht auf den Haines HighwayRoadtrip Yukon mit Blick aus dem Auto

Gen Süden, der Sonne entgegen, entlang der Bergketten des Kluane Massivs und des Tatshenshini-Alsek Provincial Parks. Mit einem Farbrausch für die Sinne von Grün über Gelb, Rot und Braun bis hin zu einem fließenden Übergang in schönstes Schneeweiß. Da kann man einfach nicht anders, als ins Schwärmen zu geraten, oder?

Es ist mal wieder einer dieser Momente, bei dem man sich beim Anblick der Berge und der Geschichten, die sie erzählen könnten, klein und unbedeutend fühlt, man paradoxerweise aber zu keinem Zeitpunkt woanders sein möchte.

Bergwelt entlang des Haines HighwaysHaines Highway Richtung Alaska

⇒ Beim Haines Highway, wie überall im Yukon, gilt, dass man tanken sollte, wenn man kann und nicht erst, wenn man muss.

 

Roadtrip Alaska: Haines und Skagway.

Haines und Skagway hatten in meiner Gunst einen ziemlich schweren Start. Während es Haines schaffte, dass ich mich nach zwei Tagen schlussendlich doch in das Örtchen verknallte, war Skagway nur eine Kulisse für mich, die überall auf der Welt hätte stehen können. Vielleicht war es etwas meiner Ignoranz geschuldet, vielleicht hatte ich auch einfach schon zu viele Stückchen meiner Selbst auf den letzten 3000km verteilt.

Haines steht als verschlafener kleiner Ort vor einem Bergpanorama, das mich in seiner Art und Weise ans südliche Ende Chiles erinnerte – wie ein Spiegelbild des tiefen Süden Amerikas. Ich lief durch die Straßen, kaufte Pasta und Soße im Supermarkt, bestellte mir einen Cappuccino im Rusty Compass Coffeehouse und trank ihn im Sonnenschein davor. Ein Gefühl von Urlaub.

Blick auf Haines in AlaskaBraunbaer am Chilkoot River in HainesChilkoot River in Haines in Alaska

Während der Wochen im Yukon beliefen sich meine Bärensichtungen auf summa summarum NULL. Kein einziges Tier zeigte sich mir am Straßenrand, am Flussufer oder in den Bergen. Erst hier in Haines, kurz unterhalb vom Chilkoot Lake am Chilkoot River, konnte ich eine Vielzahl von ihnen beobachten. Beim Lachsfischen, umgeben von Möwen und Weißkopfseeadlern. Ein Paradies für Fotografen, wobei es bei weitem kein Geheimtipp mehr ist.

Zu Skagway kann ich nicht viel erzählen. Außer, dass ihr euer Nachtlager an den Dyea Flats aufschlagen und einen wunderschönen Sternenhimmel beobachten solltet.

Skagway in Alaska

⇒ Hinweis: Die Autofähre zwischen Haines und Skagway verkehrt mehrmals in der Woche, aber nicht täglich. Fahrpläne und Buchungsmöglichkeiten findet ihr beim Alaska Marine Highway System. Wenn ihr flexibel bleiben und nicht vorbuchen möchtet, dann könnt ihr euch im Terminal vor Ort auf eine Warteliste setzen lassen. Ist dann bei der nächsten Abfahrt noch Platz für euer Fahrzeug, steht der Überfahrt nichts mehr im Weg.

⇒ Wandern: Eine schöne, einfache Tour bei Haines ist die Wanderung auf den Mt. Riley, durch einen dichten märchenhaften Wald.

⇒ Bärensicherheit: Einen ausführlichen Artikel über die Bärensicherheit in Kanada, zusammen mit jeder Menge Bärencontent, habe ich auf dem Blog veröffentlicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.